Ich komme eben nach Hause von der letzten Nacht bei Mirjam. In zwei Stunden werden wir sie gemeinsam in ihr letztes Bettchen betten. Doch zuvor MUSS ich einfach noch erinnern, in welch unglaublicher Dichte der gestrige Abend noch einmal erlebbar gemacht hat, wie Mirjam weiter wirkt.
Der Nachmittag war geprägt von einer nicht enden wollenden, bis ins innerste zerreissenende Wehe. Es waren jene Stunden, ich denen ich wusste, dass das Särglein, welches unser Freund geschreinert hat, von draussen im Auto hinein ins Haus getragen werden sollte. Ich wollte nicht, ich konnte nicht. Wir sassen da in unserer Stube, weinten (vor allem ich), es zerriss mich fast. Jörg-Andreas hat irgendwann begonnen, am Klavier zu improvisieren über ein Thema von Bach, "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit", strömend, seufzend, klingend und Licht werdend erreichten mich die Klänge immer mehr, ich begann zu atmen, es wurde still.
Wehenpause.
Dann trugen sie das Bettchen in unsere Mitte.
Noch einmal Schmerz.
Doch darüber werde ich später berichten. Es ist der anschliessende Abend, der jetzt wirkt.
Ich ging um etwa 19 Uhr zurück zu Mirjam, öffnete die Türe und fand
die Hebamme von Mirjams Geburt.
Wie ein Ragenbogen wölbte sich die Freude und das Glück über diese Begegnung vom Anfang zum Ende. Das ganze kurze Leben hatte Raum jetzt, so verankert an beiden Geburtspunkten.
10 Minuten später ging erneut die Türe.
S. trat ein, jene Hebamme, welche mit ihrem Vertrauen und ihrer unglaublichen Geduld damals ermöglicht hat, dass ich am Stillen dran geblieben bin, sie, ohne die unsere Beziehung, die zwischen Mirjam und mir, wohl nicht diese Inseln der stillen Innigkeit, des gegenseitigen Kraft schenkens, gehabt hätte.
Tiefe Gespräche über jene ersten Stunden und Tage, über den Vergleich von Geburtsschmerz und Trauerschmerz, von Loslassen und Zulassen. Staunendes gewahr werden, dass der Raum noch weiter wird.
Bald kommt auch meine Freundin dazu, jene, die ich hier im Herbst Goldstück genannt habe und welche als solches mit unbeschreiblicher Kraft in diesen Tagen und Stunden wirkt, welche uns diesen Raum zur Verfügung gestellt hat, welche in ihrer Grosszügigkeit alles ermöglicht, was dem Fliessen der Liebe dient.
Später erneut die Türe:
Vier Frauen aus dem Dorf, liebe Wegbegleiterinnen, traten ein: Sie würden Mirjam gerne singen, setzten sich zu uns, wir stellten uns gegenseitig vor, staunten über das Netz, das hier gewoben wurde. Weinen, Lachen, Erinnern, und immer wieder dieses schlafende, helle Wesen in unserer Mitte betrachten, schweigend, berührt, voller Liebe.
Es ist soviel Energie erfahrbar. Ich habe sowas noch nie erlebt.
Und dann, als ich dachte, dichter könne es gar nicht sein
Mirjams Patin zusammen mit der Frühförderin.
10 Frauen, versammelt um Mirjam.
Ich kann nicht beschreiben, wie das wirkt. Es entstand ein Raum aus menschlicher Hingabe, aus Kraft, aus Liebe, deren Architektin Mirjam war, ist, spürbar, erlebbar, riesig gross, viel viel grösser als der sichtabre Raum, in dem wir sassen.
Dass zuletzt noch mein ältester Sohn kam und Platz fand unter uns, mütterlich geborgen, war Geschenk, das ihn prägen wird.
Und dann begannen wir zu singen.
Magnificat.
Meine Seele erhebet den Herrn.
Ich werde mit all meiner Mutterliebe hinausgetragen, hinaufgehoben,
möchte nur loben
und sein
und danken
und wissen
und ahnen
und sehen
Dann wieder Stille, wieder erzählen, wieder Schmerz zulassen, nächste Wehe, wieder Singen.
Gebären.
In solcher Dichte zu denekn, das alles sei Zufall, dass sich all diese Frauen zur gleichen Zeit hier einfinden, ohne sich gekannt, ohne sich abgesprochen zu haben, wirkt leer und lächerlich.
Mirjam wird weiter wirken, weiter führen, Schritt um Schritt, Atemzug um Atemzug.
Ich gehe jetzt den nächsten.
Den Text redigiere ich später.
Unbekannterweise möchte ich sagen dass ich sehr Anteil nehme an eurer Geschichte und Trauer um Mirjam. Was für eine unglaubliche Liebe und Wärme spricht aus jeder Silbe eurer Worte! Ich bin tief berührt und mit euch traurig. Mirjam war ein sehr besonderes kleines Mädchen, und ein Teil ihrer Sonne wird immer in Euch leuchten. Möget Ihr weiterhin getragen sein von so viel Freundschaft, Wärme und Liebe. Und möget Ihr Mirjams Licht immer wieder spüren und finden, dort wo ihr es am wenigsten erwartet...
AntwortenLöschenIn stiller Anteilnahme
Oh Gabi!!
AntwortenLöschenNein, es ist kein Zufall, sicher nicht!
Ich lese Deine Beiträge und fühle mich damit so nah, ich danke Dir dafür, das Du die Zeit hast uns Teilhaben zu lassen, Dir und Mirjam so nah sein zu können.
Es zereisst mich und doch ist es schön, diese Liebe zu spüren.
Ich wünsch Dir und Deiner Familie weiterhin ganz viel Kraft, meine Gedanken sind immer bei Euch!
Ganz liebe Grüße
von Petra (Serafina)
Liebe Gabriela,
AntwortenLöschenich bin gerührt von Deinem heutigen Eintrag, diese Dichte und Spiritualität ist kaum auszuhalten. Wie deutlich doch schon jetzt ist, dass Mirjam für immer einen so festen Platz in Eurer Mitte hat!
Wir feiern heute Annis ersten Geburtstag und die Geburtstagskerze brennt heute auch für Mirjam.
Aufgewühlte Grüße,
Tanja
Liebe Gabi,
AntwortenLöschenin Gedanken bin ich bei Dir/Euch wenn Ihr Euer Sünneli zum letzten Mal bettet. Ich wünschte einerseits, ich könnte Dir Deinen Wehenschmerz ein bisschen leichter machen, auf der anderen Seite bin ich sicher, dass er für den Trauerprozess ganz wichtig ist.
Das was Du vom gestrigen Abend berichtest hört sich magisch und wunderschön an. Ein besonderer Moment, so besonders wie Mirjam. Sie ist um Euch, in Euch.
Hier scheint die Sonne, die Vögel singen und eben durfte ich zwei Eichhörnchen beobachten die ganz aufgeregt miteinader gespielt haben.
Ich denke an Euch...
Alles Liebe, Janna
Guten Morgen Gabi,
AntwortenLöschenich komme immer wieder her um euch nun nahe zu sein. Ich sitze hier mit Runa wiege sie,wie jetzt, und weine. Lese uns spüre deine Worte kann Euch sehen wie ihr den Abend gestern verbracht habt kann spüren...schmerz...liebe...tiefe und viel mehr
Gestern Abend war ich bei der Engelsmeditation und ich war voller Gedanken an dich und Mirjam ich sah sie vor meinem Auge spielen mit Engeln an Gabrielshand laufen auf einer schönen Blumenwiese.
Ich lann es nochj nicht fassen das sie gegangen ist doch ich bin mir sicher sie hinterlässt so viel nicht nur bei euch auch hier weit weg von euch und da wo sie nun ist da ist es schön.
Danke Gabi das ich teilhaben darf an Mirijam und an Euch.
herzensgrüsse von Alexandra mit Aniko & Runa
Bei all der Trauer und dem Schmerz - das was Ihr da zusammen erlebt habt, ist etwas ganz Besonderes und trotz alledem sehr schön und vor allem sehr wichtig!
AntwortenLöschenLiebe Gabi,
AntwortenLöschenich kann deine Gedanken sehr gut mittragen und sehe es als sehr großes Geschenk von Mirjam, was sie euch da bereitet.
Ich sende dir für die nächsten Stunden sehr viel Kraft.
In Liebe
Heike
Mit Tränen in den Augen und einem zugeschnürten Hals sitze ich das erste Mal seit einer Woche wieder bei dir/euch......und finde keine Worte;sehe mir die Bilder an,lese deine Texte und bin einfach bei EUCH!!!!!
AntwortenLöschenIch kann`s kaum glauben was ich lese und doch ist es so.
Weiss nicht wie ich EUCH trösten kann;gibt es in so einer speziellen Situation Trost?????
Ich glaube man muss UMDENKEN und eine *andere Ebene* suchen genau wie du geschrieben hast....
Und ich wünsche EUCH dass ihr dass schafft und zusammen *denken* könnt.
Mit lieben *Gedanken* an EUCH
GabiB.
Liebe Gabriela,
AntwortenLöschenich bin sehr berührt über die Tiefe, die Wärme, die Liebe Deiner Worte ! Ich habe das Gefühl Dir nichts wünschen zu müssen-Du trägst sovieles in Dir.
Ich denke sehr an Eure Familie.
Grüße
Dagmar
Tränen laufen mir übers Gesicht. Ich denke oft an euch in diesen Tagen. Überwältigt lese ich deine Zeilen und bin dankbar, dass du uns teilhaben lässt an deinen Gefühlen, deinem Schmerz und am Geschehen ringsrum. Mir macht das irgendwie Mut.
AntwortenLöschenGottes Segen sei mit euch - liebe Grüße Janet
liebe gabriela, ich hätte euch eigentlich lieber ein mail geschickt, aber es klappt mit der angegebenen adresse nicht.
AntwortenLöschenich "kenne" euch erst seit ungefähr drei wochen, über die waldorpuppenseite von carmen und doch fühle ich mich sehr mit euch verbunden. deine gedanken,gefühle,viele davon teile ich...und dann die kleine mirjam, die mein herz berührt. immernoch bin ich fassungslos wie schnell sie ihren erdenweg verließ und sich auf ins licht machte. es gibt kein hilfloseres gefühl als beim tod eines kindes, das stirbt, obwohl alle sich mit ganzer kraft darum bemüht und gebetet haben. es bricht das herz.
als ich am samstag von mirjams himmelsgeburtstag erfur, suchte ich mit meiner kleinsten die nächstgelegene kirche auf. es schneite sehr heftig und ich erwartete eine leere kirche. doch es rasteten einige spaziergänger drin und einige kommuniongruppenleiterinnen werkelten an einer collage. ich ging zu den teelichtern, nahm 9 stück heraus und zündete sie an, als eine ältere frau auf mich zukam und fragte, ob etwas schlimmes passiert sei. ich erzählte ihr kurz von mirjam... und dann wirkte mirjam. ich kann mir das gar nicht anders erklären. die frau erzählte den anwesenden von mirjams heimgang, ein mann trat plötzlich in den mittelgang und sprach ein gebet, danach erzählte ich von mirjam, was ich aus deinen berichten von ihr wußte. es war so eine besondere atmosphäre, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte. es trat eine jüngere frau mit einer schönen altstimme in den kreis, der sich mittlerweile geformt hatte und sang zwei taize-lieder."nothing can ever come between us" und "gott ist nur liebe". danach sprach ich ein gebet, das mir so kam (mirjam?) und den abschluß bildete der kanon"the kindom of god is justice and peace and joy in the holy spirit", wunderschön.
schneefall, eine kirche, zu der wir nicht einmal gehören, lauter fremde menschen und dann das, ich finde nicht die rechten worte dafür um euch das geschehens in seiner dimension, einer tiefe zu beschreiben. mirjam versendet strahlen zu menschen, die sie nicht einmal persönlich kannten... ich wollte einfach, daß ihr das erfahrt.
ich werde diese viertelstunde wie ein schatz in meinem herzen tragen.
liebe gabriela, liebe restliche mirjam-familie, meine gedanken sind bei euch und ich schicke euch besonders viel kraft für morgen und auch für die zeit des landens.
es ist unglaublich, wie sehr diese kleine wesen strahlen kann und die welt verändert. ich bin so dankbar, dass wir diesen blog finden dürften.. . sonst hätten wir nie von euch erfahren. ich muß für mich das medium internet neu überdenken, es war bei mir eher negativ besetzt. mir war auch nicht klar wieviel wärme, anteinahme, herzlichkeit... doch auch darüber ankommen.
alles, alles liebe heike /41jahre alt, familienfrau mit 4 kindern im alter von 18 mon. bis 9 jahren)
ich werde euch nie vergessen.
Welch ein wundervoller Moment in einer so unglaublich schwerden Zeit! Ich bin in Gedanken so viel bei Euch obgleich du mir erst vor wenigen Tagen virtuell begenet bist. Alles Liebe und viel Kraft und Stärke und dass ihr die Freude an den Erinnerungsjuwelen an Mirijam niemals verlieren werdet.
AntwortenLöschenDie Tränen laufen in Ströhmen, es zerreißt mich fast.
AntwortenLöschenOh, wie muss es bei Dir geschmerzt haben, bei Deinem eigenen, für Dich realen Kind...unfassbar...
Mensch....
LG
Nani
Ach, Gabriela...
AntwortenLöschenDa sind sie wieder, diese Texte. Schon beim ersten Mal lesen haben sie mich gefangen genommen.
Wie mutig, wie richtig, wie innig, mit wieviel Liebe und Hingabe Ihr Abschied genommen habt.
Andere liegen 3 Tage in der Aufbahrungshalle des Spitals...
Und jetzt sind da 14 (!) Einträge vom Februar 2009 wieder öffentlich, und ich bin von allen tief berührt.
(tut mir leid, habe die falsche Taste geklickt, der Kommentar war unfertig weg)
AntwortenLöschenTief berührt, wie immer.
Danke für dieses Geschenk, das ich beim Lesen Deines Blogs immer wieder erfahren darf -- ganz tief berührt zu werden und der Liebe zu begegnen, in ihrer so mannigfachen Gestalt.
Man sieht nur mit dem Herzen gut....
Alles Liebe Dir
Marianne